Abläufe bauen statt Beispiele üben
Warum die meisten KI-Schulungen nach einem Monat verpufft sind.
Warum die meisten KI-Schulungen nach einem Monat verpufft sind.
Die Schulung läuft gut. Die Leute sind dabei, an der richtigen Stelle wird gelacht, drei Teilnehmende sagen hinterher, sie hätten nicht gewusst, dass das geht. Die Rückmeldungen sind ausgezeichnet.
Vier Wochen später hat sich nichts verändert. Nicht weil die Schulung schlecht war, sondern weil es eine Schulung war.
Die Vorführung ist immer sauber
Solche Termine laufen auf vorbereitetem Material. Ein ordentliches Dokument, eine sinnvolle Frage, eine Antwort, die sitzt. Das Beispiel ist ausgewählt, weil es funktioniert.
Der Montagvormittag ist etwas anderes. Ein halbfertiger Pressespiegel, eine Datei im falschen Format, drei unbeantwortete Fragen aus einem Länderbüro und elf Minuten bis zur nächsten Besprechung. In diesem Abstand zwischen Vorführung und Alltag verläuft sich die Begeisterung.
Am Können liegt es selten
Die Werkzeuge werden schneller verstanden, als alle erwarten. Was fehlt, ist ein Platz dafür im tatsächlichen Arbeitsablauf.
Es gibt keinen vereinbarten Platz für das Ergebnis. Kein freigegebenes Werkzeug für das Material, das tatsächlich heikel ist. Keine Entscheidung darüber, welchen Teil des bisherigen Wegs das nun ersetzt, also kommt es obendrauf statt hinein. Alle machen ihre Arbeit plus ein Experiment, und das Experiment verliert.
Der Unterschied zwischen Üben und Bauen
Üben heißt, an einem Beispiel zu lernen, wie man eine Anfrage gut formuliert. Bauen heißt, das zu nehmen, was ein Team jede Woche tut, den Medienüberblick, den Förderbericht, die Interviewvorbereitung, und es so umzubauen, dass der neue Schritt im Ablauf steckt und nicht daneben.
Das Ergebnis einer Schulung ist ein Stapel Notizen. Das Ergebnis des Bauens ist ein Ablauf, den jemand am Donnerstag benutzt, weil der Donnerstag jetzt so geht.
In der freigegebenen Umgebung, nicht daneben
Ein Ablauf, der in einem Werkzeug lebt, das niemand freigegeben hat, ist kein Ablauf. Er ist ein Risiko mit Ablaufdatum, und das Datum ist die erste datenschutzrechtliche Rückfrage.
In der Umgebung zu arbeiten, die eine Organisation bereits geprüft hat, ist am Anfang langsamer und am Ende die einzige Variante, die bleibt. Jede Fähigkeit, die sich den Verantwortlichen für Compliance nicht erklären lässt, wird still aufgegeben, meist ohne dass es jemand meldet.
Was nicht übergeben wird
Nicht alles gehört in den Ablauf. Zu entscheiden, was eine Entwicklung bedeutet, ob ein Satz öffentlich gesagt werden kann, welche von drei Formulierungen die ehrliche ist: Das bleibt bei einem Menschen, und wer den Ablauf baut, sollte begründen können, warum.
Zur Fähigkeit gehört zu wissen, wo die Grenze liegt. Ein Team, dem nur gezeigt wurde, was die Werkzeuge können, hat die halbe Aufgabe gelernt.
Die Probe
Drei Wochen nach dem letzten Termin: Benutzt es noch jemand, ohne dass jemand daran erinnert?
Das ist der einzige Maßstab, der zählt, und er misst nicht, wie gut die Schulung war. Er misst, ob überhaupt etwas gebaut wurde.